Warum automatische Prüfungen mehr aufdecken als erwartet
Die meisten Online-Shop-Betreiber gehen davon aus, dass ihre Website barrierefrei ist. Das Gegenteil ist häufig der Fall. Eine automatische Prüfung deckt typischerweise Dutzende bis Hunderte von Befunden selbst bei scheinbar normalen Online-Shops auf.
Die Automatisierung deckt etwa 30–50 % der WCAG 2.1 AA-Regeln ab. Was sind die häufigsten Probleme?
Fehlende Alt-Texte
Der am weitesten verbreitete Befund. Bilder ohne Textbeschreibung (das alt-Attribut) sind für Nutzer mit Screenreadern völlig unzugänglich.
So beheben Sie es:
- Funktionale Bilder (Produkte, Illustrationen, Logos): eine aussagekräftige Beschreibung dessen, was das Bild zeigt oder was die Schaltfläche tut
- Dekorative Bilder (Hintergründe, Verzierungen): leeres alt-Attribut, damit Screenreader sie korrekt überspringen
- Bilder mit Text: der Text muss im alt-Attribut enthalten sein
Geringer Farbkontrast
Das zweithäufigste Problem. WCAG 2.1 AA erfordert ein Mindestkontrastverhältnis von 4,5:1 für normalen Text und 3:1 für großen Text (18 pt oder 14 pt fett). Schlechter Kontrast beeinträchtigt Menschen mit Sehschwäche.
Typische problematische Elemente: eine helle Schaltfläche 'In den Warenkorb' auf weißem Hintergrund, grauer Beschreibungstext, Fehlermeldungen in blasser Farbe, Text auf Bild-Bannern.
So beheben Sie es: Tools wie der Colour Contrast Analyser oder ein automatischer Scan zeigen Ihnen sofort, welche Stellen den Standard nicht erfüllen.
Unzugängliche Formulare
Formulare sind ein kritischer Punkt in jedem Online-Shop. Die häufigsten Probleme:
- Fehlendes Label für ein Feld: ein E-Mail-Feld ohne programmatisch zugeordnetes Label ist für einen Screenreader nicht erkennbar
- Fehlermeldungen nicht über ARIA angekündigt: ein Nutzer mit Screenreader sieht nicht, dass ein Fehler aufgetreten ist
- Pflichtfelder ohne Kennzeichnung: ein Sternchen (*) ohne Texterklärung reicht nicht aus
- Schaltflächen ohne aussagekräftigen Text: 'Bestätigen' ist besser als nur ein Symbol ohne Beschreibung
Probleme mit der Tastaturnavigation
Ihr nationales Gesetz zur Umsetzung der EAA verlangt, dass der gesamte Online-Shop ohne Maus bedienbar ist. Die häufigsten Probleme:
- Fehlender sichtbarer focus ring: wenn ein Nutzer mit der Tab-Taste durch die Seite navigiert, muss er immer sehen können, wo er sich befindet
- Keyboard trap: ein Nutzer bleibt in einem modalen Fenster oder Menü gefangen und kann es nicht mit der Tastatur verlassen
- Schlechte Tab-Reihenfolge: Tab springt auf unnatürliche Weise über die Seite
Unzugängliche interaktive Elemente
Schaltflächen und Links müssen einen zugänglichen Namen haben, damit assistive Technologien sie korrekt ankündigen. Problematische Muster:
- Schaltfläche nur mit Symbol ohne Text oder aria-label
- Link mit dem Text 'Klicken Sie hier' oder 'Mehr' ohne Kontext
- Interaktives div oder span ohne role='button' und Tastaturunterstützung
So beginnen Sie mit der Behebung
Empfohlenes Vorgehen:
- Führen Sie einen automatischen Scan durch — identifizieren Sie die wirkungsvollsten Probleme schnell und kostenlos
- Priorisieren Sie nach Schweregrad: kritische (critical) und schwerwiegende (serious) Befunde zuerst beheben
- Technische Fehler korrigieren: Alt-Texte, Kontrast und Formular-Labels sind verhältnismäßig einfache Korrekturen
- Beauftragen Sie ein manuelles Audit: die übrigen Regeln (Verständlichkeit, Verhalten bei Screenreadern) erfordern menschliches Urteilsvermögen
Denken Sie daran: automatische Prüfungen decken etwa 30–50 % der WCAG-Regeln ab. Die Behebung automatisch erkannter Fehler ist ein notwendiger, aber nicht ausreichender Schritt zur Erfüllung Ihres nationalen Gesetzes zur Umsetzung der EAA.
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Häufige Fragen
- Wie viele Fehler sind normal?
- Die meisten Online-Shops haben Dutzende bis Hunderte von automatisch erkennbaren Befunden. Wichtiger als die Anzahl ist der Schweregrad — beheben Sie kritische und schwerwiegende Fehler zuerst.
- Wie erkenne ich, was ich zuerst beheben soll?
- Konzentrieren Sie sich auf Befunde, die als kritisch (critical) und schwerwiegend (serious) gekennzeichnet sind — diese haben den größten Einfluss auf Nutzer mit Behinderungen.
- Reicht es, automatisch erkannte Fehler zu beheben?
- Nein. Die Automatisierung erkennt etwa 30–50 % der WCAG 2.1 AA-Regeln. Für einen vollständigen Überblick — und zur Erfüllung Ihres nationalen Gesetzes zur Umsetzung der EAA — ist ein manuelles Audit erforderlich.
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